Dynamic Borders / Strategien gegen die Dürre

23 januari 2019, Dynamic Borders © Pressemitteilung

Neue Impulse erhalten, ins Gespräch kommen, voneinander lernen: Über alternative Strategien beim Kartoffelanbau durch die Herausforderung extremer Wetterlagen tauschten sich jetzt Landwirte aus dem deutsch- niederländischen Grenzgebiet aus. Rund 70 Teilnehmer folgten dabei der Einladung zur Veranstaltung innerhalb des INTERREG-Projekts „Dynamic Borders“, das unter anderem den Fokus auf den Bereich Agribusiness legt.Bei dem Treffen auf dem Betriebsgelände „De Lange Heikant B.V.“ imniederländischen Overloon eröffneten auch die Referenten spannendeEinblicke in die umfangreichen Facetten des Themas „Kartoffeln und Dürre“.

Dürre kennt keine Grenzen – darüber waren sich die rund 70 Landwirte aus den Kommunen Goch, Weeze, Bergen, Boxmeer, Cuijk und Gennep einig. Denn sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden hatte die Dürre im zurückliegenden Sommer für schmerzhafte Einbußen gesorgt –insbesondere bei Kartoffeln. Auf der Suche nach Auswegen, sich gegen solche Extremwetterlagen zu wappnen, trafen sich die Landwirte jetzt auf dem Betrieb von Lohnunternehmer Gert de Lange in Overloon. Zu der Veranstaltung mit Experten-Vorträgen hatten die Verantwortlichen des INTERREG-Projekts „Dynamic Borders“ eingeladen. Neben einerBesichtigung des Kartoffellager- und Maschinenreparaturunternehmens stand vor allem der Austausch mit den Kollegen aus dem Nachbarland im Vordergrund. Schließlich kämpfen die Landwirte dies- und jenseits der Grenze mit der Herausforderung, sich auf den Klimawandel einzustellen.

Suche nach kreativen Alternativen

Welche Möglichkeiten es für den Kartoffelanbau angesichts sich verändernder Wetterbedingungen gibt, präsentierte Dr. Ir. Peter Kooman. Das Mitglied der Forschungsgruppe für Kartoffeln und Sektorinnovation an der Fachhochschule Aeres im niederländischen Dronten stellte etwa Strategien vor, mit denen ein ertragreicher Kartoffelanbau auch in Zukunftmöglich sein soll. „Dabei kommt es vor allem darauf an, effizienter mit derRessource Wasser umzugehen. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten, die bisher noch nicht ausgeschöpft sind“, sagte Kooman. „Auch der Anbauweiter entwickelter Kartoffelrassen, die mit weniger Wasser auskommen,kann ein Modell für die Zukunft sein.“ Mit Beispielen aus der Sahara,Tunesien und Algerien zeigte der Experte, dass Kartoffelzucht mit kreativen Ansätzen auch in extrem trockenen Regionen möglich ist.

Steffen Mies indes thematisierte die rechtlichen Risiken bei Ertragsausfällen und die Herausforderungen, den Agrarsektor in Deutschland ausreichendzu subventionieren. „Zurzeit besteht noch eine massive Unterdeckung derstaatlichen Dürrehilfe. Hinzu kommt, dass es noch keine Lösung gibt, mitder sich Landwirte gegen extreme Klimabedingungen versichern können“,erläuterte der Rechtsanwalt und Lehrbeauftragte für Agrarrecht an der Hochschule Rhein-Waal, von der Schloesser + Baumann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus Kleve. In rund 70 Prozent der EU-Staaten indes würden Versicherungsprämien staatlich bezuschusst. Mies stellte daher alternative Modelle vor, wie sich Landwirte gegen Risiken wie extreme Dürre schützen können. Dazu zählen etwa eine steuerfreie Risikoausgleichrücklage in ertragsstarken Jahren oder die Möglichkeit, das Risiko für Anbauer und Abnehmer bei Ertragsausfällen durch höhere Gewalt in vertraglichen Vereinbarungen zu verteilen. „Die Bundesregierungmuss über solche Rücklagen noch beraten, und für die Frage nach einerrechtssicheren Vertragsgestaltung gibt es bisher keine Präzedenzfälle“, stellte Mies fest. „Das Problem von Ertragsausfällen durch Dürre wird sich verschärfen. Daher sind in Zukunft auch klarere Regelungen zu erwarten.“

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